Bericht von der TDWI-Konferenz / 24.-26.06.2019

Cloud und Text-Mining: die wichtigsten Treiber der digitalen Transformation

Bericht von der TDWI-Konferenz und -Ausstellung am 24.-26.06.2019 in München

von Christian Neumann

 

Die (R)evolution liegt hinter uns

Sicherlich, die wichtigen Buzzwords waren allge­genwärtig auf der TDWI München, der Konferenz für Data & Insights: KI, ML, Cloud, Digitalisierung, Automatisierung, Big Data (allerdings weniger häufig als in den letzten Jahren), IoT etc. Aber sie waren nicht mehr die Boten einer Revolution.

Diese – vielleicht war sie bloß eine Evolution –, ist nämlich vorbei, so der Tenor. Denn die not­wendige Transformation in den Unternehmen hat begonnen und ist zum Teil bereits weit fortge­schritten.

Zugegeben, bei den meisten der Buzzwords ging es nie um eine Revolution. KI und ML, also überwachtes und unüberwachtes Lernen sind keine Erfindungen der letzten Jahre. Die Digitalisierung von Prozessen hat spätestens mit Einführung des PCs begonnen und Daten wurden schon immer in relativ zur Speichergrösse großen Mengen erhoben, schneller und vielfältiger. Das Tempo hat allerdings zugenommen.

 

Die Cloud: der größte Treiber der Transformation

Wenn ich wählen müsste, was der größte Treiber ist, der die Evolution nun zu einer Transformation der Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten, macht, dann ist es die Cloud. Die Cloud bringt all die entstehenden Anwendungen und Produkte nach draußen, zu den Nutzern und Endver­brauchern. Sie macht sie skalierbar und sie ist flexibel nutzbar.

Mittlerweile scheuen nur noch wenige Unter­nehmen, die Cloud für Anwen­dungen und Services zu nutzen. Und wenn es sich nicht um die grossen Anbieter (Azure, AWS, SAP, etc.) handelt, dann werden unternehmenseigene Cloud-Infra­struk­turen, sogenannte private clouds, aufgebaut.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Cloud-Systeme lassen sich per Mausklick nahezu beliebig skalieren. Sie lassen sich, anders als on-Premise Systeme, schnell einrichten und sind somit flexibel. Das ist sowohl für die Evaluation als auch für das Ausrollen von Use-Cases vorteilhaft – und im Endeffekt auch kostengünstiger.

Es lassen sich bspw. einfache Chatbots im Self-Service, d.h. ohne oder mit wenig Programmier­kenntnissen, mithilfe von Clouddiensten erstellen. Es ist auch naheliegend, dass die Daten in der Cloud liegen, wenn sie mehr und mehr von außen abgerufen werden, sei es vom Kunden, vom Vertriebler, vom Servicetechniker oder vom CEO, der unterwegs ein Dashboard aufruft.

Und der Datenschutz? Daten werden regel­mäßig Daten auch bei großen Unternehmen geklaut (Yahoo, Facebook, etc.). In diesen Zeiten muss es nicht unsicherer sein, einem Cloud Anbieter zu vertrauen, Für den die Datensicherheit alltägliches Geschäft ist, als die eigenen Admins mit dieser Arbeit zu betrauen.

 

Wie wirkt die Transformation in Unternehmen?

Die Transformation in vielen Unternehmen hat begonnen. Zwei Beispiele: Ein Hersteller von Kaffeemaschinen hat unlängst seine digitale Plattform (in der Cloud!) gestartet, über die Statusmeldungen der Maschinen, Wartungs­informationen, Reparaturanleitungen eingesehen oder sogar die Kaffeepreise geändert werden können. Für einen Manager, der mehrere oder hunderte Maschinen verwalten muss, eine riesige Erleichterung. Für den Hersteller ein wunderbares Serviceangebot und eine reiche Datenquelle. So kann nun das Nutzungsprofil der Maschinen noch besser erfasst werden oder die Wartung besser geplant werden. Dies kann in die Entwicklung neuer Produkte und Services einfließen.

Ein traditioneller Versandhandler verschickt mittlerweile nicht mehr einen großen Katalog im Jahr, sondern monatlich einen individuellen Selfmailer an seine Kunden (ja, Print ist nicht tot). Und individuell ist hier wörtlich gemeint: jeder Kunde erhält die für ihn optimale Auswahl an Produkten mit einem eigenen Layout, es gibt also 70.000 Varianten jedes Self-Mailers. Zwar ist dieses Vorgehen in der Produktion teurer, trotz­dem ist der ROI höher und es werden durch die Automatisierung interne Ressourcen geschont. Diese Verbesserung gilt sowohl gegenüber einem Mailing bei dem Experten die Auswahl treffen, als auch (um Welten!) gegenüber dem „Dinosaurier“ Jahreskatalog.

 

Mit handfestem Nutzen: Text-Mining

Auf Seite der Verfahren ist mir besonders ins Auge gesprungen, dass Text Mining mittlerweile handfesten Nutzen bringt. Handelten in den letzten Jahren solche Vorträge meistens davon, wie man die Tonalität von Social Media Posts erkennt, so liefern die neuen Anwendungen direkten Mehrwert durch Kostenersparnisse.

Text Mining kann große Mengen an Dokumenten auto­matisch, ohne Domänenwissen, relevanten Themenfeldern zuordnen, indem es die charak­teri­sie­renden Schlagworte identifiziert. Für Unternehmen, die eine Vielzahl an eingehenden Anfragen haben, ist das eine enorme Arbeitserleichterung: So lassen sich die Doku­mente automatisch an die richtigen Bearbeiter weiterleite.

Verbunden mit Bilderkennungsverfahren können sogar handschriftliche Texte verarbeitet werden oder angehängte Bilder kategorisiert werden, bspw. im Fall von Schadensmeldungen einer Versicherung. Sind große Mengen an Dokumenten zu sichten, bspw. im Falle einer Insolvenz, so können die Dokumente schnell vorsortiert und vorher unbekannte Themen identifiziert werden. Die gute Nachricht dabei: die KI übernimmt die sich wiederholenden, standardisierten Aufgaben, für die Menschen bleibt damit Zeit, sich auf die kreativen und Wertschöpfenden Arbeitsschritte zu konzentrieren. KI und Experte arbeiten quasi Hand in Hand, um effizienter und effektiver zu werden.

 

Umsetzung der digitalen Transformation

Digitalisierung, KI, usw. ist tatsächlich den Kinderschuhen entwachsen. Die Zeit, in denen Use-Cases ersonnen werden oder massenweise Proofs of Concept durchgeführt werden, nur um „etwas mit Big Data“ zu machen, sind vorbei. Die Verfahren haben bereits bewiesen, dass sie funktionieren. Use-Cases brauchen von vornherein einen Business Value, einen positiven Einfluss auf Profit & Loss, um durchgeführt zu werden. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob mit Datenanalyse überhaupt ein Mehrwert generiert werden kann.

Bei der voranschreitenden Transformation spielt der Mensch die wichtigste Rolle. Die Technologie ist vorhanden und oft sogar Open Source oder wenigstens as a service verfügbar. Die analyti­schen Skills sind vorhanden, wenn auch die Leute nicht am Arbeitsamt Schlange stehen. Doch die Organisationen sind oft noch nicht bereit von ihrer Struktur und Arbeitsweise her.

Es benötigt einen Wandel in der Denk- und Arbeitsweise von Entscheidern und den umset­ zenden Mitarbeitern. Es zeigt sich, dass datengetriebene Projekte am besten in interdisziplinären Teams aus IT, BI und Fachbereichen umgesetzt werden. In diesen können die Beteiligten gleichberechtigt gemeinsam arbeiten, idealerweise mit vollem Fokus auf das eine Projekt. Die Teams bzw. insbesondere der Product Owner tragen dann die Verantwortung und treffen die wichtigen Entscheidungen; es wird nicht mehr alles „von oben“ oder durch ein, dann überflüssiges, Steuerungsgremium entschieden.

Genauso wie die Daten nicht in Silos verteilt liegen dürfen, darf auch die Arbeit nicht verteilt geschehen. Einige Unternehmen setzen solches agiles Projekt- oder Produkt-orientiertes Arbeiten schon konsequent um, einige sind in der Umstrukturierung. Dort, wo dies nicht geschieht, ist die Gefahr am größten, dass die Digitalisierung nicht erfolgreich ist.

Neben der Transformation der Unterneh­mens­struktur muss also eine Transformation in den Köpfen der Menschen geschehen. Dabei reicht es nicht, auf die Fakten zu verweisen („Wenn wir das so und so machen, sparen wir x% Kosten.“), sondern man muss die Menschen emotional mitnehmen. Denn nur wer emotional überzeugt ist, hat keine Angst vor Veränderung und kann mit Leidenschaft die Transformation voranbringen.

 

Fazit

Insgesamt gab es viele Impulse für mich auf der TDWI München. Dank guter Organisation, guter Klimatisierung und Getränkeversorgung, die das heiße Wetter erträglich machte, waren es drei wertvolle Tage in München.